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Musik aus Stein und Bambus: Musik aus Vietnam
von Ingo Stoevesandt

1. Auf der Suche nach Traditionellem: Ein Mosaik aus Musik
Vietnam befindet sich im Aufwind. Längst sind schöne Landschaften wie die HaLong Bucht mit seinen Kalkfelsen kein Geheimtip mehr und Touristen aus aller Welt strömen in das Land. Dabei wird Vietnam oft  als “authentisches” Asien beworben, in dem noch viele Jahrhunderte alte Traditionen bis heute gelebt werden. Wieviel der durchschnittliche Tourist von diesen Traditionen zu sehen bekommt, ist eine andere Frage:
Wie und wo erlebt man heute in Vietnam traditionelle Musik?
Am ehesten hört man Traditionelles noch in den buddhistischen Klöstern oder beim Besuch des
CaoDai-Klosters in Tay Ninh, einer Religion die metaphorisch für den Ekklektizismus Vietnams versucht, alle großen Weltreligionen in sich zu vereinen.
Gute Gelegenheiten für das Erleben traditioneller Musik ergeben sich bei öffentlichen Feiern und Festen oder bei einer der nicht seltenen öffentlichen Begräbniszeremonien. Im Radio und Fernsehprogramm findet man durchaus auch Shows mit “traditioneller” Musik (oder was als solches verkauft wird). Bei der Arbeit auf dem Feld wird viel gesungen, und mit etwas Glück bekommt man ein Kinderlied zu Ohren. Und schließlich gibt es noch den unverzichtbaren “Showroom” des “Vietnamese Institute for Musicology” (VIM) in Hanoi, das neugierige Besucher äußerst gerne willkommen heißt und durch die exklusive Sammlung vietnamesischer Musikinstrumente führt, die man sich auch vorführen lassen kann.

Die Gründe für das partielle Verschwinden traditioneller Musik aus dem vietnamesischen Alltag sind vielfältig: Während des Vietnamkrieges ging viel Wissen verloren, junge Menschen wandern auch heute noch aus den Siedlungen in die Städte ab und manche Traditionen werden einfach nicht mehr weiter gegeben. Wenn ein junger Mensch sich entschließt ein traditionelles Instrument zu lernen, blickt er einer arbeitslosen Zukunft entgegen, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, einen Lehrer für sein Instrument zu finden. Stellen als Musiker für ein traditionelles Instrument sind rar, oft bleibt nur, in Hotels für Touristen zu spielen, und so lernen viele Jugendliche ebenso sinnfrei zusätzlich noch ein “westliches” Instrument zu spielen, um eine der begehrten Stellen im einzigen, schlecht bezahlten Sinfonieorchester des Landes zu ergattern. 
Auf der anderen Seite lockt schnelles Geld durch den Handel mit Raubkopien oder der billigen Produktion von
Karaoke Videotapes, die den gesamten asiatischen Markt überfluten.
So mag der Eindruck entstehen, die traditionelle vietnamesische Musik sei ein Opfer der Globalisierung geworden. Doch sie ist immer noch sehr lebendig, auch wenn sie in Vietnam inzwischen nicht mehr so leicht anzutreffen ist. Viele vietnamesische Kommunen in der Diaspora pflegen auch die “alte” Musik, und auch in Vietnam trifft man auf viel Engagement für den Erhalt der alten Klänge und Instrumente.

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