DIE MUSIK SÜDOSTASIENS:                                                                                                                                                                                                                            www.musikausasien.de

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Die traditionelle Musik der Philippinen
von  Ingo Stoevesandt

Wer die Philippinen zum ersten Mal bereist, wird sie im Vergleich mit anderen südostasiatischen Ländern wohl eher als “unasiatisch” empfinden: Zu groß sind die amerikanischen, europäischen und aktuell islamischen Einflüsse, zu gering die Möglichkeit, noch eine wirkliche “Ureinwohnerkultur” anzutreffen.
Wie in vielen anderen Ländern Südostasiens gibt es auch hier eine große Vielfalt an Traditionen und Stilen unterschiedlichster Herkunft.
Diese verschiedenen Einflüsse und Anpassungen prallen nicht aufeinander sondern mischen sich zu einer Collage, wie sie für Südostasien einmalig ist. Auch wenn man hier wiederum die Einflüsse Indonesiens im häufigen Gebrauch des
Gamelan wieder findet, oder den Einfluss des Islam im steigenden Gebrauch der “gambus” genannten Laute Oud, so steht doch die kulturelle Collage der Philippinen für sich selbst und ist keineswegs mit anderen Ländern Südostasiens vergleichbar.

Auch eine der zentralen Musikformen der Philippinen erinnert an andere südostasiatische Länder:  
Das überall anzutreffende Kulintang-Ensemble (benannt nach seinem Melodie-Instrument, dem Gongspiel
Kulintang) erinnert an die traditionellen Ensembles in Laos, Thailand, Kambodscha, Myanmar und Malaysia - abseits von seinen Wurzeln im indonesischen Gamelan-Ensemble. Dennoch ist das philippinische Kulintang weit mehr als nur ein Instrument oder Ensemble, es steht für eine eigenständige Form der musikalischen Poesie und für das musikalisch nationale Selbstverständnis der Philippinen.

Vergleicht man die Instrumentation, Stimmung und Spielweise des Kulintang mit anderen südostasiatischen Ensembles, so entdeckt man zwar teilweise gleiche Wurzeln, muss jedoch dem Kulintang seine Eigenständigkeit zugestehen. Dieses Ensemble ist inzwischen so multifunktional geworden, dass auch die (meist mündlich tradierte) gespielte Literatur mit gewachsen ist. Ornamentation und Struktur der Stücke weisen dabei vielfältige Einflüsse auf: Mal meint man, die Kulintag-Version eines cantus firmus aus einer
Motette zu entdecken, ein anderes Mal ertönen Zitate aus der arabischen Lautenliteratur..
Wie in vielen anderen asiatischen Kulturen auch werden auf den Philippinen fremde Einflüsse jedoch nicht einfach assimiliert, sondern stets eher imitiert und dabei in etwas Eigenes transformiert. Das betrifft vor allem die von der Aussenwelt stammenden Einflüsse der letzten 500 Jahre, weniger die Musik der indigenen Völker, wie auf den nächsten Seiten beschrieben wird.


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