DIE MUSIK SÜDOSTASIENS:                                                                                                                                                                                                                            www.musikausasien.de

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Die traditionelle Musik Thailands
von Ingo Stoevesandt

Doch wie unterscheiden sich nun diese regionalen Stile und Genres?
Die Grenzregionen Thailands wie der Süden und  Isaan und Lanna im Norden sind vor allem durch den Einfluß der an sie grenzenden Länder beeinflußt: Laos, Kambodscha, Burma und Malaysia  prägen die Entwicklung lokaler Traditionen nicht unerheblich. Dennoch sind auch diese Einflüsse dabei, langsam zu versiegen, da die jungen Menschen in Thailand nur noch ausschließlich "Thai KLassik" lernen und nicht die lokalen Traditionen. Ausserdem verschwinden immer mehr Sprachen und Dialekte aus diesen Regionen, und damit auch viele Lieder.
Die einst reichhaltige Liste der "Dorflieder" (phleng pün ban) ist so bereits verschwunden, und andere Traditionen werden folgen.

Gleichzeitig nimmt der Einfluss des Westens immer mehr zu, und bei vielen Festivals tauchen inzwischen Bands mit Schlagzeug, E-Gitarre  und Bass (und bis zum Anschlag aufgerissenen Verstärkern) auf und lösen so die Ensembles ab, eine logische Folge, die sich bereits im 19. Jahrhundert abzeichnete, als militärische (französische) Blaskapellen bei Staatsempfängen das erste Mal zum Einsatz kamen.

Kombiniert mit diesem steigenden Einfluß strömen ebenfalls aus dem Süden und Norden neue Einflüsse nach Thailand, so z.B. das von
Malaysia geprägte Theater manora und sein Schattenpendant nang talung im Süden Thailands, in dem auch der Islam Anhänger gefunden hat.
Aus dem Nordosten Isaan wanderte das Spiel der Mundorgel Khene und die Gesangstradition "mor lam" ein, die sich jedoch auf der Thailändischen Seite des Mekong anders entwickelte als in Laos, und auch in Lanna entstanden berühmte Traditionen wie z.B. der Fingernageltanz, der inzwischen in ganz Thailand anzutreffen ist. Gerade Isaan gilt heute für Musikforscher als interessante Region, ist diese doch aufgrund des Mangels an großen Städten vom Massentourismus verschont geblieben, und so hoffen die Forscher daß sich hier noch viele Traditionen "authentisch" erhalten konnten. Vor allem die Musik der innerhalb Thailands lebenden ethnischen Minderheiten gilt noch weitgehend als unerforscht und dürfte für die Forscher noch einige Überraschungen bereit halten.

Betrachtet man all diese Aspekte der aktuell in Thailand praktizierten traditionellen und indigenen Musik, so kann man doch von einer attraktiven Vielfalt sprechen, die zu Unrecht weniger Beachtung findet als Traumstrände und Luxushotels. Obwohl sich viele dieser Elemente noch mit modernen musikalischen Erscheinungsformen wie dem Thai-Pop vermengen, ist die Gefahr des Verschwindens traditioneller Musik in Thailand ebenso groß wie in anderen Ländern der Region. Da Thailand bereits engagiert versucht, das negative Image des Tourismus als Unterdrücker und Zerstörer der eigenen Kultur in ein positives Bild zu wandeln, könnte eine verstärkte Rückbesinnung auf die eigenen Traditionen dazu beitragen und anderen Ländern als positives Beispiel dienen.
 
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