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Die traditionelle Musik der Philippinen
von  Ingo Stoevesandt

1521 erreichten die ersten spanischen Missionare eine philippinische Insel. Die darauf folgende Zeit der spanischen Kolonisation dauerte 300 Jahre an und hinterließ bis heute deutliche Spuren:
Es wird angenommen dass etwa 80 Prozent der Einwohner der Philippinen katholische Christen sind. Schon ab 1600 wurden auf fast allen Inseln katholische Schulen und Kirchen unter spanischer Führung errichtet. Dort wurde ausschließlich die Säkularmusik der damaligen Zeit gelehrt: Gregorianische Gesänge ebenso wie erste mehrstimmige Gesänge wie der canto organo oder der gymel-Stil. Sie brachten auch Instrumente wie beispielsweise eine frühe Form der viola da gamba und die (eigentlich portugisische) Gitarre mit.
Schon hier, in diesem frühen Stadium der spanischen Okkupation, wurde der christliche Glaube weniger "angenommen" als vielmehr in das einheimische System des Glaubens integriert. Auch heute gibt es noch Rituale wie beispielsweise das kagong Ritual auf Banaan, in dem die Jungfrau Marai gleichberechtig mit örtlichen Dämonen angerufen wird.
In Prozessionsliedern mit dem Namen senaculo wird das Leben und Leiden Jesu Christi thematisiert, oft unter Gebrauch der liturgischen Lieder des katholischen Gesangbuches aus dem 17. Jahrhundert. Ausserhalb der Liturgien und Prozessionen sind aus der Vermischung katholischen Liedgutes mit einheimischer Folklore eigene Gattungen wie z.B. das pananawagan oder kagharong entstanden.

Wurde früher europäischer Einfluss in der Musik nur in den grossen Städten wie Luzon oder Manila kutliviert, wanderte dieses Interesse an europäischer Musik und ihren Instrumenten auf das Land hinaus. So trifft man heute in abgelegenen Regionen nicht selten ein “Rondella” Ensemble, welches in fast italienischer Tradition auf gezupften Instrumenten versucht, eine polnische Polka oder eine murza zu improvisieren.

Heute reicht der Einfluss europäischer Kultur weiter: Spätestens in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es erste Versuche, für ein westliches Sinfonieorchester zu komponieren. In den größeren Städten wurden erfolgreich ortsansässige kleinere Ensembles in die Sinfonieorchester integriert, wodurch Jugendliche auf die “Klassik” Europas aufmerksam gemacht wurden. In Manila gibt es heute eine Oper sowie ein grosses Konzerthaus mit ständigen Aufführungen. Ausserdem ist der Fernseher zentrales Kulturmedium und hat so der modernen Rock- und Popmusik inklusive Karaoke (meist aus USA) den Weg bereitet.

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