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Traditionelle Musik aus Myanmar
von Ingo Stoevesandt

Die Stimmung der Grundskala ähnelt unserer diatonischen Tonleiter, die Töne der 3. und 7. Stufe erklingen jedoch einen Viertelton tiefer,
die 4. Tonstufe einen Viertelton höher. Diese Abweichungen entstehen durch die annähernd equidistante Stimmung der
Oboe "h'ne", welche ihre Urheberschaft auch in den Tonnamen aufzeigt, so heißt z.B. die zweite Stufe "hna pau" ("zwei Finger"), die dritte Stufe "thou pau" ("drei Finger") usf. (jedoch ausschießlich in der Ensemblemusik):



Anders als in Europa wird die Skala rückwärts (also abwärts) gelesen: C-H-A-G-F-E-D-C. Dabei hat jeder Ton ebenfalls eine sakrale oder animistische Zuordnung und Bedeutung, manche tragen Tiernamen wie “Elefant” oder “Pferd”. Der Grundton “than-hman” scheint dem “sa” der indischen Skala zu entsprechen. Aus dieser heptatonischen Grundskala können vier verschiedene Modi entstehen, indem bestimmte Töne (meistens zwei) zu Nebentönen erklärt werden und so eine Pentatonik entsteht. Die Modi transportieren bestimmte Emotionen, ähnlich unserer Dur- und Mollharmonik. Wichtiger für die emotionelle Aussage eines Stückes sind jedoch die genutzten Tempovariationen und vor allem die Ornamentation der Haupt- und Nebentöne.
Leider ist auch heute in Burma die diatonische Tonleiter weiter verbreitet als die "traditionelle", und ihre Manifestation in der Hörgewohnheiten in Burma zeigt sich nur noch in der starken Toleranz gegenüber verstimmter Instrumente beim Publikum.

Dies betrifft auch den Gesang, denn manche Texte der Lieder werden zwar vom Puplikum mitgesungen, jedoch längst nicht mehr verstanden.
So werden vor allem bei Theaterausfführungen und Tanzdarbietungen Tradition und Moderne vermischt, und der (vor allem britische) Einfluß des Westens zeigt sich nicht nur in den westlichen Kostümen der "Mintha" und "Minthamee" (Schauspieler, Sänger und Tänzer = "Prinz" und "Prinzessin"), sondern auch in der Entfremdung der Hörgewohnheiten in Bezug auf Melodie und Sprache.

Es erstaunt nicht, daß durch diese und die politischen Gründe die wirklichen Kenner der traditionellen Musik Burmas fast ausschließlich im Ausland, vornehmlich Amerika und Europa, anzutreffen sind.

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