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Die Musik Indonesiens
von Ingo Stoevesandt

“Karawitan” und Islam
“Karawitan” ist ein Sammelbegriff für jede Art von Gamelan Musik auf Java. Der Name “Gamelan” selbst ist auch ein Sammelbegriff für Ensemblemusik mit Metallophonen (“gamel” = in etwa “behandeln, berühren”), und so ist “Karawitan” eine der ältesten Musikgattungen
der Welt, zurück verfolgbar bis in die frühe Bronzezeit.

Als die ersten Wali (Missionare) im 16. Jahrhundert auftauchten, verstanden sie schnell, wie stark die lokalen Traditionen wie das Puppenspiel Wayan Kulit und Gamelan Musik im gesellschaftlichen Leben verankert waren. Daher beschlossen sie, diese nicht zu verbieten sondern zu tolerieren und zu unterstützen. Mehr noch, im Gegensatz zu ihrer Heimat, wo musikalische Darbietungen während einer Zeremonie verboten waren, benannten sie auf Java das “Gamelan sekati” als Hauptensemble für die 6 Feiertage des sekaten, einer Feier zur Erinnerung an den Propheten Mohammed. Dieses spezielle Ensemble sollte für die weitere Entwicklung der Gamelan Musik auf Java ein große Rolle spielen:
Es ist bis heute aktiv und ein sehr charakteristisches Ensemble, da es aus ausschließlich sehr lauten Instrumenten besteht, leise Instrumente wie die Geige Rebab oder die Längsflöte
Suling fehlen hier. Es war das einzige Ensemble mit einem Tonumfang von mehr als drei Oktaven, die Bervorzugung der heptatonischen Tonleiter pelog (eine Entwicklung aus dem Hinzufügen eines neuen Tones (“bem”) zur indigenen Tonleiter vom Wali Kangjeng Kunggul führte zu einer Verbreitung in ganz Indonesien, und seine Musik ist im Vergleich zu anderen gender (Musikstücken des Gamelan) sehr langsam und eingängig.

Der Islam war also nicht nur Mentor und Förderer der javanischen Gamelan Musik, sondern auch ein entscheidender Entwicklungsfaktor.
Nach über 400 Jahren lassen sich im aktuellen Musikleben Indonesiens noch mehr Spuren des Islam entdecken: Das Lautenspiel auf der gambus (eine persische
Oud) ist weit verbreitet, ebenso der Gesang der arabischen kasidah Melodien, und die zeremoniellen Zusammenkünfte zikir und sama erinnern an die Sufi Traditionen Persiens. Bei einem solchen Zusammentreffen (“indang”) singt ein Vokalist ein Rezitativ während ihm 15 Sänger chorisch antworten und dabei die arabische Trommel rabana spielen. Das Rezitativ wird manchmal von der Geige Rebab begleitet, die arabischen Ursprungs ist und heute ein fester Bestandteil des Gamelan Ensemble geworden ist. Die Ornamentationstechnik des Gamelan ist ähnlich komplex und elementar wie die Ornamentik einer “Arabeske”, jedoch fehlt die Mikrotonalität der arabischen Tonleitern.Der Islam erweiterte auch das Klangbild des alltäglichen Lebens mit dem Rufen des Muezin und den täglichen Gebeten. In jüngster Zeit scheint die Toleranz des Islam gegenüber dem indonesischen Musikleben jedoch Rückschläge hinnehmen zu müssen, wie der Fall der Sängerin “Inul” aktuell aufzeigt...

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